Der Tiroler Handwerkspreis wurde in vier unterschiedlichen Kategorien verliehen.
Die folgenden Gewinner werden nach Kategorie angezeigt.
Ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Handwerk und Materialien aus der Region für die Region. Mit neuen Materialien und Techniken Altes erhalten, Wissen bewahren und weitergeben. Bestehendes in Neues transformieren.
Das historische Hotel Traube in Rattenberg wurde energetisch modernisiert, ohne die denkmalgeschützte Substanz zu gefährden. Im Zentrum steht ein ganzheitliches, fossilfreies Energiekonzept mit Grundwasserwärmepumpen, Fußbodenheizung, Deckenheiz- und Kühlelementen sowie Sockelwandheizung mit Taupunktüberwachung. Besonders anspruchsvoll waren die engen Platzverhältnisse in der Altstadt und der Schutz der historischen Bausubstanz. Das Projekt verbindet Denkmalschutz, regionale Expertise und moderne regenerative Haustechnik.
Bilder: MECO GmbH
Mit der neuen Zentrale der Tiroler Versicherung wurde Innsbrucks erstes achtgeschossiges Holzhochhaus in Holzhybridbauweise realisiert. Verwendet wurden unter anderem Baubuche und Brettsperrholz, wodurch schlanke Konstruktionen, CO₂-Speicherung und hoher Vorfertigungsgrad ermöglicht wurden. Besonders hervorzuheben sind die materialeffiziente Planung, zimmermannsmäßige Holzverbindungen anstelle klassischer Stahlknoten sowie Lösungen für Brandschutz, Schallschutz und Feuchtigkeitsmonitoring. Das Projekt zeigt die Zukunftsfähigkeit von Holzbau im urbanen Raum.
Bild: Günter Richard Wett | Andreas Schindl | Holzbau Saurer
Die rund 3.000 m² große Fassade des historischen Passionsspielhauses Erl wurde nachhaltig renoviert. Die alte Dispersionsbeschichtung wurde mittels schonendem Sandstrahlverfahren entfernt, um die originale Struktur zu bewahren. Der Neuaufbau erfolgte mit mineralischen Beschichtungssystemen und denkmalgerechten Kalk-Zementputzen. Die Arbeiten wurden eng mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt und tragen zum Erhalt regionaler Baukultur bei.
Bilder: Sebastian Türkdogan
Gemeinsame Arbeit und Synergien verschiedener Fachbereiche oder Professionisten – manche Projekte werden erst durch intensive Zusammenarbeit perfekt.
Drei unabhängige Handwerkerinnen schlossen sich zusammen, um das „Einzigartige Handwerk“ sichtbar zu machen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Entstanden sind unter anderem eine gemeinsame Social-Media-Präsenz, eine Homepage und ein eigenes Qualitätslogo. Der Zusammenschluss lebt von Teamgeist, Freundschaft und großem persönlichem Einsatz. Mittlerweile gibt es weitere Mitglieder und Anfragen von Betrieben, die sich anschließen möchten.
Bilder: Einzigartiges Handwerk / Christian Steinlechner
Nach dem Wegfall eines Rauchfangkehrers im hinteren Ötztal wurde eine kooperative Lösung für Sölden, Längenfeld und teils Umhausen aufgebaut. Sechs Rauchfangkehrermeister aus dem Tiroler Oberland organisierten sich über eine Genossenschaft, um die sicherheitsrelevante Betreuung der Bevölkerung sicherzustellen. Dazu wurden Büro, Hotline, Website und digitale Terminverwaltung eingerichtet. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie Handwerksbetriebe in einer Notsituation rasch, verlässlich und gemeinsam handeln können.
Bilder: Energie- und Brandschutzprofi eGen
Das Projekt entwickelt eine Systemlösung, um Photovoltaik, Wärmepumpen, Speicher und Verbrauchssteuerung sinnvoll zu vernetzen. Gemeinsam mit BZW Energie, LAMBDA Wärmepumpen und dem MCI wurden Reallabore für Altbau und Neubau eingerichtet. Ziel ist es, Energie und Kosten zu sparen und Gebäude besser auf variable Strompreise vorzubereiten. Die besondere Herausforderung liegt in der Abstimmung der Schnittstellen zwischen verschiedenen technischen Systemen.
Bilder: Johannes Zösmayr
Handwerkliche Fähigkeiten treffen auf Kreativität und Designqualität. Eine perfekte Optik, durchdachte Funktionalität und zeitlose Schönheit sind das Ergebnis.
Für den Retailtunnel der Swarovski Kristallwelten wurden Wandverkleidungen aus 40 mm starken Eschenholz-Massivbohlen gefertigt. Die große Herausforderung lag in der Naturmaßaufnahme des Bestandes, ohne die alten Wandverkleidungen entfernen zu können. Planung und Montage erfolgten millimetergenau auf 3D-Basis. Besonders wichtig war, dass alle Fugen an den Übergängen exakt mit 10 mm Abstand zusammenlaufen.
Bilder: Holzmanufaktur und Vitrinenbau Auer
Zum 80. Geburtstag des Künstlers Tone Fink wurde eine Sonderedition von 80 Werkmonografien handwerklich besonders veredelt. Gemeinsam mit Grafikdesigner Kurt Dornig entstand ein Hardcover-Leineneinband mit vollflächigem Relief-Farb-3D-Druck. Die handnummerierte und signierte Auflage bietet ein besonderes haptisches Erlebnis. Das Projekt erweitert klassische Bucheinbandveredelung um eine neue optische und taktile Dimension.
Bilder: Kurt Dornig, Peter Köll
Für die St. Nikolauskirche in Matrei in Osttirol wurde ein Schau- und Informationskasten aus geschmiedetem Eisenblech gefertigt. Er integriert Ansichtskarten- und Kirchenführerfächer, Opferstock, Beleuchtung mit Bewegungsmelder sowie einen kleinen Tisch für Informationsblätter. Die Gestaltung erfolgte in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt und fügt sich zurückhaltend in den historischen Kirchenraum ein. Technische Elemente wie Batterie und Beleuchtung sind im Objekt verborgen.
Bilder: Alois Unterrainer
Klassisches Handwerk und zeitgemäße Perfektion in der Umsetzung. Unter Verwendung moderner Technologien und innovativen Materialien spannende Ergebnisse erzielen.
Für die originalgetreue Aufführung von Bach-Kantaten wurde eine barocke Zugtrompete, eine Tromba da tirarsi, neu entwickelt. Da historische Vorbilder unpraktisch sind, entstand eine Version mit Doppelzug, die bei deutlich kürzerem Zugweg präziser spielbar ist. Rohre, Bögen und Schallstück wurden in traditioneller Handwerkstechnik aus Messing gefertigt, ergänzt durch Neusilber für bessere Gleiteigenschaften. Das Projekt verbindet historische Aufführungspraxis mit instrumentenbauerischer Innovation.
Bilder: Florian Marc Lazzari / Benedikt Sonnleitner
Mit der Übernahme der ältesten Harmonika-Manufaktur Österreichs wurde ein 150 Jahre altes Handwerk gesichert und nach Reutte überführt. Dort entstand die einzige Harmonika-Produktion Tirols mit moderner Organisation, Service, Logistik und Entwicklung. Jede Novak-Harmonika wird weiterhin in präziser Handarbeit gefertigt und nach Gehör gestimmt. Das Projekt verbindet Wissenstransfer, regionale Materialien, nachhaltige Wertschöpfung und den Neustart eines seltenen Handwerks.
Bilder: Archiv Novak/Michlbauer
Mit Oxivita präsentiert die JP-Feindestillerie Kössler einen alkoholfreien Gesundheitsdrink auf Basis des traditionellen Hausmittels Oxymel aus Honig und Apfelessig. Ergänzt mit Preiselbeeren und Kräutern entsteht eine moderne, natürliche Alternative ohne Alkohol, künstliche Zusätze oder Konservierungsmittel. Das Projekt reagiert auf den Trend zu bewussterem Alkoholkonsum und funktionalen Getränken. Es verbindet traditionelle Rezeptur mit zeitgemäßem Lifestyle.
Bilder: JP-Feindestillerie Kössler
Hier steht das Besondere im Mittelpunkt: kreative Unikate, außergewöhnliche Kleinserien und kunsthandwerkliche Arbeiten, die mit persönlicher Handschrift und Liebe zum Detail entstehen. Diese Kategorie zeigt, wie individuelle Ideen und handwerkliches Können zusammen echte Originale schaffen.
Der Baumhausweg Stubai führt durch ein rund 5.000 m² großes Waldgebiet bei der Mittelstation der Kreuzjochbahn in der Schlick 2000. Entstanden ist eine familienfreundliche Erlebniswelt mit neun thematisch gestalteten Baumhäusern zwischen Waldboden und Baumwipfeln. Die Strecke ist leicht begehbar und kinderwagentauglich, zugleich bietet sie Kletter-, Spiel- und Entdeckungsmöglichkeiten. Das Projekt verbindet Naturerlebnis, Holzbau und liebevoll gestaltete Abenteuerstationen.
Bilder: naturidea, Andre Schönherr, Lorenz Marko
Die Leuchten aus heimischem Zirbenholz werden auf eine Wandstärke von ca. 1 mm gedrechselt, um maximale Lichtdurchlässigkeit zu erreichen. Gearbeitet wird ohne CNC oder technische Hilfsmittel, das Drechseleisen wird frei von Hand geführt. Höchste Präzision ist nötig, da kleinste Fehler bei dieser Wandstärke nicht verziehen werden. Äste, Maserung und klare Formgebung machen jedes Leuchtobjekt zu einem natürlichen Einzelstück.
Bilder: Axel Hebenstreit
Im Mittelpunkt steht die Fertigung individueller Maßbrillen, die exakt an die jeweilige Gesichtsform angepasst werden. Moderne Gesichtsscans werden mit traditioneller Handarbeit verbunden, wodurch Nasenauflage, Passform und Tragekomfort individuell optimiert werden. Verwendet werden unter anderem Zelluloseacetat und Büffelhorn. Besonders ist, dass dafür eigene Maschinen entwickelt wurden und über 50 Arbeitsschritte notwendig sind.
Bilder: Gartner Alexander